Zachow: Willi Zachow, Lehrer und Heimatforscher, (1900-1967) war auf vielen Gebieten tätig, um die Geschichte und Umwelt seiner Heimatstadt zu erforschen und zu erkunden. Er hat auf den Gebieten der Vorgeschichte, der Tier- und Pflanzenkunde und der früheren Lebensverhältnisse in Parchim gearbeitet. Höhepunkte seiner unermüdlichen Tätigkeit waren wohl die äußerst erfolgreiche Notgrabung an einem bronzezeitlichen Hügelgrab in den Slater Tannen und die Leitung bei Tonbandaufnahmen der heimatlichen Vogelstimmen als Lehrmittel für die Schulen. In vielen Zeitungsartikeln und Broschüren hat er die Ergebnisse seiner Arbeit veröffentlicht. Aus seinen Beiträgen über Parchimer Persönlichkeiten sind die beiden Hefte über "Fritz Reuter und Parchim" die bekanntesten Schriften. Zachow hat in den 60er Jahren das Parchimer Museum wieder aufgebaut und geleitet. Im Buchholz trägt eine Buche seinen Namen. Seit 1994 gibt es im Neubaugebiet Brunnenfeld II einen Willi-Zachow-Weg. 



Die Zachow-Buche im Buchholz,   
im Hintergrund der Moltkestein    

  Zehlicke: Dr. Johannes Zehlicke, Direktor des Gymnasiums, (1791-1856) hat sich erfolgreich für die Entwicklung seiner Schule und allgemein für Belange der Stadt eingesetzt. Fritz Reuter war bei ihm in den Jahren 1828 und 29 in Pension. Zehlicke war Ehrenbürger Parchims. Die erste Straße, die von der Brunnenstraße - aus der Sicht vom Südring - nach rechts abzweigt heißt seit 1933 Zehlickestraße.     Reuter

Zeppeline über Parchim: Parchim hat in der 30er Jahren zweimal den Besuch eines Luftschiffes. Das Luftschiff "Graf Zeppelin" überfliegt 1930 die Stadt, und 1936 ist das Luftschiff "Hindenburg" über Parchim zu sehen.

Zichorienfabrik: Im Jahre 1804 wird Auf dem Brook eine Zichorienfabrik gegründet. Hier wird aus der gerösteten Zichorien-wurzel ein braunes Pulver hergestellt, mit dem weite Kreise der Bevölkerung im Lande über 100 Jahre lang ihr Alletagegetränk bereiten. Diese Fabrik hat seinerzeit für Parchim eine große wirtschaftliche Bedeutung, denn hier sind durchschnittlich 60



Das Grabmal von J. Zehlicke        
auf dem Alten Friedhof                   

 



Die Fabrikmarke der Zichorienfabrik

Arbeiter beschäftigt. Außerdem erhalten viele hiesige Handwerker für die Instandhaltung und Wartung der Fabrikanlagen Aufträge. Die Jahreszahlen 1815, 1893 und 1923 an der Straßenfassade des Fabrik-gebäudes sagen aus, wann die Anlagen umgebaut, erweitert und modernisiert wurden. Der Anbau der Zichorie ist für Landleute auch von wirtschaftlicher Bedeutung, er bringt sichere Einnahmen. Allerdings können sich damals nicht alle Besitzer von geeignetem Ackerland entschließen, ihre Felder mit dieser Pflanze zu bestellen. In den 30er Jahren unseres Jahrhunderts wird die Zichorienfabrik stillgelegt.      Dütsch`n 

  Ziegeleiweg: Der Abschnitt der westlichen Umgehungsstraße von der Abzweigung der Ziegen-dorfer Chaussee bis zur Einmündung des Südringes hat die Benennung Ziegeleiweg. In den 40er Jahren werden hier kleine Häuser gebaut, die vor allem von Hamburgern, die bei Bombenangriffen ihre Wohnung verloren haben, bezogen werden. An diesem Weg liegt auch die frühere "Stadt-Ziegelei", das heutige Gehöft auf der östlichen Straßenseite. Schon auf der Parchimer Ansicht von vor 1690 ist hier eine "Ziegelhütt" eingezeichnet. Die Ziegelei wird von der Stadt 1848 neu aus-gebaut und mit den notwendigen Einrichtungen versehen. Die Dagekuhle wird dem Ziegeleipächter, nachdem die hier stehenden 80 bis 100jährigen Buchen und Eichen gefällt sind, zum Graben von Ziegelerde überlassen. (Die Dagekuhle ist eine Fläche etwa 1 Kilometer südwestlich der Ziegelei) Aber schon 1864 wird berichtet, daß die Ziegelerde zur Neige geht.
  Ziegendorfer Chaussee: Als Straßenbezeichnung erscheint der bebaute Abschnitt der Ziegen-dorfer Chaussee im Adreßbuch von 1937. Es ist aber noch eine Scheunenstraße, hier stehen damals nur drei Wohnhäuser. Die Ziegendorfer Chaussee (Landesstraße Nr. 83) die über den Sonnenberg verläuft, wird in den Jahren 1905/07 gebaut. Fernsicht nach Schwerin   Vietingshof
  Ziegenmarkt: Benennung der breiten Straße, die vom Kreuztor kommt und sich dann in die Waage- und Baadestraße aufgabelt; dadurch erhält sie eine fast trapezförmige Grundfläche. Auf der Parchimer Zeichnung, die vor 1690 entsteht, ist sie schon als Ziegenmarkt angegeben. Einen Ziegenmarkt gibt es auch in anderen Städten, wie in Rostock, Wismar, Schwerin und Lübz. Die Erklärung dieser Benennung ist schwierig, denn es ist nicht anzunehmen, daß das Haustier Ziege dabei eine Rolle gespielt hat. Die Ziegenhaltung hat früher, im Gegensatz zur Schweinehaltung, in Mecklenburg nur eine geringe Bedeutung. (In Parchim hat damals jede Heerdeschaft einen eigenen Schweinehirten.) Es gibt in vormaligen Zeiten sogar teilweise gesetzliche Verbote, Ziegen zu halten. So hat Wallenstein 1628 die Ziegenhaltung in einigen Ämtern untersagt:"...weil die ziegen den jungen bäumen schaden tun und auch in der wildbahn nicht dienlich." Es ist wohl kaum davon auszugehen, daß seinerzeit, fast im Mittelpunkt der Stadt, ein Marktplatz für Ziegen besteht. Als der hiesige Magistrat 1829 amtliche Straßennamen festlegt, wird über "Ziegenmarkt" und "Seegenmarkt" beraten, denn beide Benennungen sind damals hier üblich. (Um 1600 wird zum Beispiel in einem Schriftstück ein Segenmarkt genannt.) Die Bezeichnung Seegenmarkt könnte auch nur eine andere Schreibweise für Söögenmarkt (hochdeutsch: Sauenmarkt) sein. Außerdem: Seegenmarkt/ Söögenmarkt und Zägenmarkt (hochdeutsch: Ziegenmarkt) klingen auch ähnlich. Aber der Bürgermeister entscheidet damals." Ich ziehe Ziegenmarkt vor."
  Zietenhusaren: Hauptquartier der preußischen Truppen    Preußische Pfandadministration
  Zum Strauchberg: Seit 1992 die Benennung einer Straße im Gewerbegebiet Möderitzer Weg.
  Zwangsmahlgäste: Von alters her ist im Lande der Mahlzwang verbindlich. Das bedeutet, daß die Bewohner einer Ortschaft als Zwangsmahlgäste verpflichtet sind, ihr Getreide in einer bestimmten Mühle mahlen zulassen. Sie sind daher, ohne eine persönliche Entscheidung, auf eine Mühle ange-wiesen, die nicht immer die nächste zu sein braucht, und die vielleicht von einem unfreundlichen Müller betrieben wird. Bei der Verpachtung einer Mühle zählen die Zwangsmahlgäste zum Pachtge-genstand. Daher sind die Müller auch nicht sehr angesehen; sie gelten, wie zum Beispiel die Scharf-richter und Bader, als nicht "ehrlich". Es ist aber auch so, daß die Müller durch diese Festlegung oft zu wenig Mahlkunden haben. Aus diesem Grunde kann zum Beispiel die Windmühle, die im 17. Jahrhundert auf dem Eichberg steht, nicht wirtschaflich arbeiten, und die Paarscher Kornmühle wird im vorigen Jahrhundert aus dem gleichen Grunde zur Papiermühle umgebaut. Durch die Gewerbe-ordnung des Norddeutschen Bundes von 1869 wird der Mahlzwang aufgehoben. Das Ansehen, das die Müller früher genießen, drückt J. H. Wippert um 1725 in einem Zweizeiler, den er auf eine Parchimer Feldkarte schreibt, wie folgt aus: Der Crocodil schleicht hin zum Raub, das Schwein geht aus zu wühlen. der beyden ihr Compagnion ist unten in der Mühlen.
Feldkarten aus den Jahren 1723-25         Mühlen        Wippert
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