Der Überstand an einem
Haus in Parchim

Überstand: Viele ältere Parchimer Wohnhäuser haben auf der Straßenabgewandten Seite und an den Hintergebäuden auf dem Grundstück einen Überstand. Ein Überstand ist ein überdachter Gang, eine Galerie, die außerhalb des oberen Stockwerkes verläuft und vom Hof über eine Treppe erreicht werden kann. Vom Überstand führen Türen in die oberen Räume des Gebäudes. Durch diese Anlage wird ein Treppenhaus im bebauten Raum eingespart.

Unfallschwerpunkt: In einem Zeitungsartikel, der 1920 erscheint, wird die Ecke Blut- und Lange Straße als "Todesecke" bezeichnet. Und es wird beschrieben,
  wie die Pferde eines Landfuhrwerkes durchgehen, über den Schuhmarkt in die Blutstraße einbiegen und "geradeaus in eins der großen Spiegelschaufenster des Ramelowschen Warenhauses und über die reiche Auslage hinweg bis in das Geschäftslokal" hineinrasen; der jugendliche Kutscher fällt bei der wilden Fahrt vom Wagen und wird überfahren und eines der Pferde ist dabei verendet. Über ähnliche Unglücksfälle an dieser Straßenecke wird seit Jahrzehnten berichtet; durchgehende Pferde sind dabei meistens die Ursache. Anfang der 30er Jahre wird in einem Artikel das Fehlen eines Verkehrspolizisten beklagt. Es wird in diesem Zusammenhang geschildert, wie an einem Sonnabend Mittag vier Landfuhrwerke, davon zwei mit Anhängern, aus der Richtung der Lindenstraße, ein Personenauto aus der Richtung der Bleicherstraße und zwei Omnibusse und zwei Landfuhrwerke aus der Richtung der Langestraße sich alle etwa gleichzeitig bei der Einmündung der Blutstraße treffen; dazwischen sind noch zwei Radfahrer, die sich nur durch schnelles Abspringen von den Rädern helfen können. Bis in die 30er Jahre kann man oft einen Parchimer sehen - von Beruf Bürstenbinder -, der bei der Einmündung der Bleicherstraße wohnt, wie er hier zeitweise den Verkehr regelt. Er steht dann mit einer halblangen Tabakspfeife im Mund auf der Mitte der Straße und winkt die Fahrzeuge ein.
 



Die Kellerräume eines Hauses in der Blutstraße, die zu dem unterirdischen Gang gehören sollen

Unterirdischer Gang: In Parchim gibt es die sagen-hafte Überlieferung, daß es ehemals einen unterirdi-schen Gang gab, der vom früheren Kloster zum Rat-aus und mit einer Abzweigung, die etwa beim heutigen Landestheater lag, zur St. Georgenkirche führte. Auch der Chronist F. J .Chr. Cleemann berichtet von diesem Gang. Er führt aus:" Darin mag noch manches verbor-gen liegen, etwa von den Pergamenten des Klosters." Diese Sage ist wohl entstanden, weil bei Baumaß-nahmen oft verschüttete solide gemauerte und ge-wölbte Kellerräume freigelegt werden. Denn nach den vielen Stadtbränden wird die Frontlinie der Häuser-teilweise verschoben. Der Bau eines etwa 300 Meter
  langen gemauerten unterirdischen Ganges, der auch die Elde unterquert, wäre eine große Leistung gewesen, deren Sinn aber nicht zu erkennen ist. 
 

Uterhart: Dr. Carl Uterhart, Stadt- und Kreisphysikus, (1793-1852) war bei den Lützower Jägern, und er war ein Mitbegründer der Deutschen Burschenschaft. Seit 1818 lebte Uterhart in Parchim und war hier als angesehener Arzt tätig. Sein Grabmal auf dem Alten Friedhof, ein eiserner Obelisk, wird seinerzeit in der Plauer Maschinenfabrik von Dr. Alban gegossen.

Urkunden:
Die Schriftlichkeit, das Ausstellen von Urkunden, wird in den Ländern und Landesteilen, die später Mecklenburg werden, um die Wende zum 13. Jahrhundert ein Bestandteil der Herrschaft und Verwaltung. Die frühe Ausbildung einer städtischen Verwaltung in Parchim zeigt sich auch darin, daß hier schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts Urkunden ausgefertigt werden, in denen Ratsmänner der Stadt erscheinen. Sie gehören zu den früh-esten Schriftstücken in dieser Landschaft überhaupt, in denen Ratsmänner einer Stadt vorkommen. Bis zum Ende dieses Jahr-hunderts werden die Urkunden ausschließlich in Latein geschrie-ben. Aus dieser Zeit, d.h. bis 1300, werden etwa 60 Urkunden



Das Grabmal von Uterhart             
auf dem Alten Friedhof                    

  überliefert, die sich entweder auf Parchim beziehen oder in denen Parchim als Ausstellungort erscheint. Im 14. Jahrhundert werden dann auch Urkunden in Plattdeutsch (Niederdeutsch) geschrieben. Die erste Urkunde in Plattdeutsch, die Parchim betrifft, hat das Datum vom 5. April 1312; es handelt sich dabei um eine für uns belanglose Angelegenheit: Die Parchimer Ratsmänner beurkunden eine Stiftung für das Haus zum Heiligen Geist. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hat sich hier das Plattdeutsche im Schriftwesen weitgehend durchgesetzt. Die Echtheit einer Urkunde wird durch das Siegel des Austellenden bestätigt; dieses können auch mehrere Personen sein, die alle das Schriftstück besiegeln. Außerdem ist es von Bedeutung, daß Zeugen angeführt werden. Je mehr angesehene Zeugen erscheinen, desto mehr Bedeutung und Gültigkeit hat das Schriftstück. Das Beschreibmaterial ist in Mecklenburg bis etwa 1430 das kostspielige - aus Tierhäuten hergestellte - Pergament.       Älteste Parchimer Privilegienbestätigung  
Fischeramt         Parchimer Ratsmänner und Bürgermeister          Parchimer Siegel
 

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