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  Tarnow: Rudolf Tarnow, plattdeutscher Schriftsteller, (1867-1933) ist in Parchim geboren und aufgewachsen. Als Schriftsteller hat er besonders mit seinen "Burrkäwers" einen großen Leserkreis gefunden. Seit 1987 heißt die Verbindung zwischen der Fritz-Reuter- und Lübzer Straße Rudolf-Tarnow-Straße.
  Telegrafenbetrieb: Im Mai 1856 beschließt der Magistrat auf einer Sitzung mit dem Bürgeraus-schuß, bei der Landesregierung zu beantragen, Parchim über eine Leitung mit dem Ludwigsluster Staatstelegrafenbüro zu verbinden. In einem Vertrag verpflichtet sich die Stadt damals 600 Leitungspfähle aus Tannenholz entsprechend den Vorgaben des Telegrafenbüros zu liefern. Die Pfähle müssen zuerst zur chemischen Behandlung, die in der Nähe des Neuen Tores durchgeführt wird, und dann längs der Linie nach Ludwigslust befördert werden. Außerdem muß die Stadt ein zweistöckiges Haus für die Aufstellung der erforderlichen Apparate zu Verfügung stellen; in diesem Haus muß auch eine Wohnung für einen verheirateten Telegrafenbeamten vorhanden sein. Hierfür wird das Haus in der Mühlenstraße vor dem Pfarrgebäude - aus der Sicht vom Neuen Markt - ausgewählt. Am 1. Oktober 1862 wird die Inbetriebnahme der Telegrafenlinie mit einem Dank-telegramm an den Großherzog und einem Festessen eröffnet. In einer Schrift heißt es 1864, daß das hiesige Telegrafenbüro Telegramme in deutscher, englischer und französischer Sprache befördert.
  Tempelstraße: Benennung der Straße, die von der Heidestraße aus die Lindenstraße kreuzt und dann in die Hakenstraße einmündet. An der Kreuzung mit der Lindenstraße - auf dem Platz des heutigen Hauses Lindenstraße Nr. 42 - steht bis 1802 das Tempelhaus. Anfang des 17. Jahr-hunderts wird "das große gemawerte Hauß der Tempel genant" in einem Schriftstück als eines der besten Stadterben erwähnt. Auf der Stadtansicht, die vor 1690 angefertigt wird, ist das Tempelhaus mit zwei Treppengiebeln zu erkennen. (Dieses Haus hat damals wohl schon Ziegeldach und daher die großen Stadtbrände einigermaßen überstanden.) Es ist bisher nicht geklärt, ob es sich um einen ehemaligen Besitz der Tempelherren handelt und daß daher der Name kommt, oder ob die Benennung der Straße von der Synagoge kommt, die mindestens seit 1764 (bis 1823) bei der Einmündung in die Hakenstraße steht.      Acker und Wiesenflächen       Synagoge
 



Die Rundbilder an dem Haus Fischerdamm Nr. 7

Terrakottarundbilder: Das Haus Fischerdamm Nr.7 zeigt im Fassadenschmuck u.a. vier Terrakottarund-bilder, die eine große Ähnlichkeit mit den Terrakotten am Schweriner Schloß und am Fürstenhof in Wismar haben. Das hiesige Haus wird vor der Jahrhundert-wende errichtet; und in diesen Jahrzehnten werden auch die beiden Fürstenhäuser renoviert. Vermutlich gelangen damals einige der für diese Gebäude nach

  den alten Vorbildern geformten Nachbildungen nach Parchim.
  Treiben von Kuhherden durch die Stadt: Bis zum Anfang der 30er Jahre werden die Kühe der Parchimer, es sind ein paar hundert Tiere, morgens aus den Ställen in der Stadt zur Weide und abends wieder zurück getrieben. Dadurch wird jedes Mal der Verkehr behindert, und die Straßen werden stark verschmutzt. Die Kühe bleiben dann nach einer neuen Regelung nachts auf der Weide und werden hier auch gemolken. Da sie nun nicht mehr täglich hin und her getrieben werden, erhöht sich der Milchertrag.
 



Die frühere Tuchfabrik

Tuchfabrik und Tuchmacher: Am westlichen Ende des Fischerdammes, wo hinter dem Eldearm die Mühlenstraße beginnt, steht das Gebäude der früheren Tuchfabrik. Dieser Bau wird kurz vor der Jahrhun-dertwende auf dem Platz einer 1895 abgebrannten Tuchfabrik errichtet. Es ist ein viergeschossiger Ziegel-rohbau, dessen Straßenfront drei aus Ziegeln geformte Friese zieren. Die sorgfältige Arbeit der damaligen Bauleute findet auch in den gemauerten Bogen über den vielen Fenstern eine Bestätigung. In der Tuch-fabrik werden seinerzeit u.a. Herrenanzug- und
  Uniformstoffe hergestellt. Parchim ist zu dieser Zeit schon seit Jahrhunderten ein Zentrum der Tuch-herstellung im Lande. So weisen die Volkszählungslisten von 1764 aus, daß etwa 54 Tuchmacher und Weber in der Stadt leben. Es sind hauptsächlich Friese- oder Freisenmacher, die Freis, einen rauhen Wollstoff herstellen. Und eine herzogliche Verordnung von 1785 bestimmt:" ...haben wir den Tuch- und Freisenmachern in Parchim die Zollfreyheit auf die von ihnen verfertigten Tücher und Freisen auf 6 Jahre bewilligt." Gut 100 Jahre später verzeichnet das Adreßbuch von 1873, daß 86 Tuchfabrikanten und Weber in der Stadt leben. (1937 sind es dann noch zwei Tuch macher und Wollspinner.) Etwa die Hälfte der Tuchfabrikanten wohnen zu dieser Zeit in der Mühlen straße und die übrigen wohnen auch zum größten Teil westlich des Eldearmes, in der Neustadt Parchim.
Handwerker und Ackerbürger 
 



Das Wohnhaus in der Mühlenstraße
 mit Elementen des Tudorstiles
 - Ansichtskarte aus den 30er Jahren

Tudorstil: Eine Anzahl von Wohnhäusern und anderen Gebäuden, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Parchim errichtet werden, zeigen in ihren Straßenfassaden Elemente des Tudor-stiles oder der Windsorgotik, dieses sind zum Beispiel Ziertürme und ein angedeuteter Zinnenkranz. Das eindruckvollste Beispiel hierfür ist das 1863 errichtete Wall - Hotel. Wohnhäuser mit Tudorelementen stehen u.a. in der Putlitzer Straße. Am ausgeprägtesten bei einem Wohnhaus sind diese aber wohl früher bei dem Haus in der Mühlenstraße Nr.37 vorhanden .
  (Diese Fassade ist auch weitgehend wiederhergestellt.)       Wall-Hotel 
 

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