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  Stadtbrände: In den vergangenen Jahrhunderten hat es in den mecklenburgischen Städten sehr viele große Brände gegeben . Man kann sagen, daß zum Beispiel von 1650 bis 1800 fast alle zwei Jahre in einer der Städte des Landes Feuersbrünste den Bestand an Häusern annähernd vollständig oder weitgehend ver-nichten. In Parchim wüten 1586 und 1612 große Brände. Über das Feuer vom 18.5.1586 schreibt F. J. Chr. Cleemann in seiner Chronik von 1825:" Morgens zwischen 7 und 8 Uhr brach vor dem Wockertore im Haus des Glockengießers David Foutech, welcher in der Mittwochspredigt war und dessen Ehefrau im Garten Kohl pflanzte, Feuer aus... Es vernichtete 282 Wohn-häuser ohne Scheunen, Speicher, Kramläden und Ställe." Diese Häuser standen im östlichen Gebiet der Stadt, jenseits der Luftlinie vom Mühlenberg bis zum Grundstück der Landessuperintenden-tur. Und 26 Jahre später entsteht in dem Hause einer Gewürzkrä-



Die Brandstätte in der                     
Mittelstraße 1893                            
- Blick auf die St. Georgenkirche  

  merswitwe gegenüber dem Rathause erneut ein großer Stadbrand. Cleemann berichtet hierzu: "Das Feuer griff reißend schnell um sich; ein heftiger Sturm jagte es von einem Strohdache zum andern, wie denn die mehrsten Häuser nur mit Stroh gedeckt waren... und schon im ersten Ursprung fand es durch Pulver, Theer, Oel, Talg und Speck usw. die vollste Nahrung." Dieses Mal werden 231 Häuser vom Feuer zerstört, die alle westlich der Brandkatastrophe von 1586 stehen. Auch der Turm der St. Georgenkirche wird in Mitleidenschaft gezogen, denn die mit Kupfer gedeckte Turmspitze wird zerstört (und in dieser Form nicht wieder hergestellt). Vermutlich werden bei den großen Bränden in den heimgesuchten Gebieten aber einzelne Häuser nicht vollständig zerstört, und es bleiben noch wesentliche Teile erhalten; anders ist die Jahreszahl 1583 über dem Portal des Hauses Lindenstraße Nr.3 nicht zu erklären. Doch grundsätzlich kann man davon ausgehen, daß keines der Parchimer Wohnhäuser aus der Zeit vor diesen großen Stadtbränden stammt. In den kommenden Jahrzehnten suchten weitere Feuersbrünste die Stadt heim. Die letzten dieser Katastrophen sind die Brände von 1893 und 1894, die insgesamt 26 Häuser der Mittel-, Baade- und Waagestraße und Am Rathaus einäschern und zerstören. 
  Stadtbuchnummern:  Hausnummern.
  Städte mit Parchimer Recht: Das Parchimer Recht wird seinerzeit den Städten verliehen, die zur früheren Herrschaft Parchim gehören. Das sind Sternberg, Goldberg und Plau. Auch in Lübz und Brüel gilt eine Zeitlang das Parchimer Recht. Im Laufe der Jahrhunderte wird dieses Recht teilweise verändert und den Zeitläufen angepaßt.
Älteste Parchimer Privilegienbestätigung       Herrschaft Parchim      Parchimer Recht
 

Der Stadtgraben hinter der Piepenhägerstraße - Ansichtskarte um 1900
Stadtgraben: Der Wasserlauf, der hinter der Mühlenstraße verläuft und den ursprünglichen Eldelauf mit der Müritz-Elde-Wasserstraße verbindet, ist der wohl vor 1240 ausgehobene Stadtgraben. Bis vor einigen Jahrzehnten wird dieser Graben noch unmittel-bar hinter der Piepenhägerstraße weitergeführt bis er sich bei der Hohen Brücke wieder mit der Elde vereint. Der Stadtgraben entwässert seinerzeit das umliegende Gebiet und mit dem ausgehobenen Erd-boden wird das Gelände, auf dem die Häuser der
  Mühlenstraße stehen, aufgeschüttet. Dieser Graben ist dann auch ein Wasserhindernis für die mittelalterliche Stadbefestigung.        Katthagen       Fischerdamm 
  Städtischer Bauhof:  Bauhofstraße.
 

Abschnitt der Stadtmauer bei der Schleuse
Stadtmauer: Der Mauerring, früher auch Zingel genannt, der Parchim bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts umgibt, wird nach 1310 ge-schlossen. Die Mauer ist 2,7 Kilometer lang, 0,9 Meter dick und ursprünglich etwa 5,5 Meter hoch. Für einen Meter der Mauer werden beim Bau an-nähernd 1000 Backsteine, 1 Kubikmeter Mörtel und 1 Kubikmeter Feldsteine mit Bindemittel verarbeitet. Im Mauerwerk auf der Stadtseite sind kleine Nischen in der äußeren Backsteinschicht vorhanden. Sie dienen früher der Abstützung des hölzernen Wehrganges, der
  in knapp 4 Metern Höhe innerhalb der Mauer verläuft, und von dem aus die Verteidiger der Stadt Angreifer aus günstiger Stellung abwehren können. In der Mauer gibt es seinerzeit drei Tore. Die Errichtung dieser Anlage ist eine bewundernswerte Leistung. Dabei muß man berücksichtigen, daß in diesen Jahrzehnten auch an den beiden Stadtkirchen gebaut wird. Die Mauer hat nach dem Dreißigjährigen Krieg nur noch einen geringen militärischen Wert; aber sie muß instand gehalten werden, denn sie ist noch eine Steuergrenze. An den Eingängen zur Stadt wird bis 1863 eine Akzise erhoben. Nach diesem Jahr wird der größte Teil der Mauer abgebrochen. Heute stehen noch größere Abschnitte der Stadtmauer an der Straße Am Wallhotel (auch von den Wallanlagen gut zu betrachten) und bei der Schleuse; in den Wallanlagen, in der Nähe des Dragonerdenkmals, ist noch die Ruine eines Wiekhauses vorhanden.  Akzise   Füllmauer   Kreuztor   Mittelalterliche Mauerverbände       Neues Tor       Wallanlagen       Wiekhaus       Wockertor
  Stadtrandsiedlungen: Von 1932 bis 1938 werden am Rande der Stadt zu verhältnismäßig günstigen Bedingungen Wohngrundstücke geschaffen. Die ersten dieser Häuser entstehen an der Ebelingstraße und später auch an den Verbindungsstraßen zur Brunnenchaussee, heute Brunnen-straße. Dann werden Häuser am Möderitzer Weg gebaut und zuletzt wird die Stadtrandsiedlung hinter dem Alten Friedhof errichtet.
  Stadtsprecher: Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts gibt es Anfänge einer Bürgervertretung, die aber nur beratenden Charakter hat. Sie wird durch die Älterleute der sieben ältesten Gewerke oder Handwerksämter wahrgenommen. (Die ältesten Gewerke sind das der Tuchmacher, Schuster, Schneider, Schmiede, Bäcker, Schlächter und Fischer.) Aus der Mitte der Älterleute werden Wortführer gewählt; sie werden als Stadtsprecher bezeichnet. Ende des 17. Jahrhunderts bestimmt die Landesregierung, nachdem es wieder laute Unzufriedenheit mit der Tätigkeit des hiesigen Rates, besonders wegen des Umganges mit den städtischen Geldern, gegeben hat, daß einer der beiden Schlüssel der Stadtkasse von den Stadtsprechern aufbewahrt wird. Diese werden nun auch als Kassenbürger bezeichnet. Die "Ordnung der Bürger-Repräsentation und Magistratswahlen" von 1832 bestimmt:"...Das Amt der Stadtsprecher hört auf..."
Bürgerausschuß       Handwerker und Ackerbürger
  Stadtstatuten: Die Stadtstatuten kann man gewissermaßen als die Ausführungsbestimmungen des Parchimer Rechtes für das tägliche Leben ansehen. Sie werden im Laufe der Jahrhunderte ent-sprechend den Erfordernissen geändert. Die Statuten, wie sie Anfang des 18. Jahrhunderts verbindlich sind, enthalten insgesamt 29 Absätze. Ein Bereich befaßt sich mit dem Verhalten der Menschen zueinander. Es wird zum Beispiel gefordert:" Niemand soll schimpflich oder unbeschei-dentlich reden von unserer hohen und mittelbaren Obrigkeit, Ihrer Fürstlichen Durchlaucht Ge-mahlen etc. und der übrigen hohen Herrschaft, Bürgermeister und Rath, E. Ehrwürdigen Ministerio, ehrlichen Frauen und Jungfrauen." Ein anderer Bereich schreibt Pflichten vor, wie die Entrichtung des Schosses (Schoß ist eine städtische Vermögensabgabe) und das Wachegehen; es heißt:"Die Bürger sollen zur Zeit der Noth und wenn es ihnen angesaget wird, des Tages in den Thören sitzen, auch des Nachts die Wache bestellen." Für das Berufsleben wird u.a. gefordert, daß die Hand-werker gute Arbeit leisten sollen und daß:" Ein jeder Bürger soll haben rechte Scheffel, Ellen, Gewichte und Maaße." Für die Handelstätigkeit wird neben anderen Vorschriften gefordert:" Gast soll nicht mit Gast handeln." Im Eherecht wird auch im einzelnen bestimmt, wie die Kinder versorgt werden sollen, wenn Wittwer und Wittwe" zur Ehe schreiten wollen"; es heißt weiter:" Wann das Ehebett beschritten ist, sind die Güter unter beiden Eheleuten gemein." Die Stadtstatuten werden jährlich am Peterstage (22. Februar) der versammelten Bürgerschaft auf dem Alten Markt vom Ersten Bürgermeister vorgelesen. Außer den Stadtstatuten gibt es noch Stadtordnungen, die aus-führliche Vorschriften für bestimmte Bereiche des Zusammenlebens enthalten. Diese gibt es zum Beispiel für Verlöbnisse, Hochzeiten, Kindtaufen, Kirchgänge und Begräbnisse. Es gibt auch eine besondere Holz- und Feuerordnung. Im Laufe der Zeit entfallen manche dieser teilweise gängelnden Bestimmungen oder andere werden durch allgemein gültige Landesgesetze ersetzt.
Parchimer Recht
 

Stadttore: Kreuztor      Neues Tor      Wockertor

Stahl- und Luftbad:
Brunnen an der Elde

Stände-Landstände:
Engerer Ausschuß      Freienwalder Schiedsspruch     Kreise - landständische Einteilung

Stegemannstraße:
Seit 1905 die Benennung der Straße, die die Ludwigsluster Straße kreuzt. Friedrich Stegemann (1834-1904) gehörte seit 1864 dem Parchimer Magistrat an; er war während der letzten 25 Jahre Erster Bürgermeister. In den Wallanlagen steht ein Gedenkstein für Stegemann. Das dafür von L. Brunow entworfene Porträtmedaillon aus Bronze wird gegenwärtig im Museum der Stadt aufbewahrt.    Brunow 

Steinburg:
  Fangelturm

Steinkreis-Steintanz:
Spornitzer Sagensteine
 



Der Gedenkstein für Stegemann in     den Wallanlagen - späterer Standort

 

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