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Das ursprünglichen Aussehen des Rathauses
- Rekonstruktionszeichnung
Rathaus: Das Parchimer Rathaus stammt mit dem Kern seiner Bausubstanz aus dem 14. Jahrhundert. Das heutige Aussehen erhält es erst 1818 durch einen tief greifenden Umbau. Dieser vom Land- und Hof-baumeister J.G.Chr. Barca geleitete Umbau ist so umfassend, daß Zeitgenossen von einem Neubau sprachen. Der mehrfach gegliederte dreiseitige Schau-giebel, der das Rathaus zur Marktseite hin schmückte, war schon ein paar Jahre vorher abgebrochen worden, weil er baufällig war. Die Gebäudeseite zur Waagestraße mit dem Treppengiebel und der fünf-fachen Blendengruppe hat aber wohl noch das ur-sprüngliche Aussehen. Auch der Keller mit den Kreuzrippengewölben, die in der Raummitte von wuchtigen gemauerten achteckigen Pfeilern abgestützt werden, hat noch viel von seinem einstigen Bestand. Dieser gotische Rathauskeller sucht weit und breit seinesgleichen. Bei dem Umbau wird zwischen dem
  Erd- und Obergeschoß ein weiteres Geschoß eingefügt. Dadurch werden auch die Fensteröff-nungen verändert. Diese Baumaßnahme kann man heute noch an der unterschiedlichen Färbung des Mauerwerkes gut erkennen. Von Barca stammt auch das eindrucksvolle Portal an der Kirchenseite des Gebäudes. Die gemalten gotischen Motive auf dem Gesims und dem vertieften Band in der halben Mauerhöhe stammen aus dieser Zeit; sie waren bis heute bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Bei der grundlegenden Instandsetzung des Gebäudes, die gegenwärtig durchgeführt wird, erhalten diese Friese auch wieder ihr auf hellem Grund gemaltes gotisches Maßwerk. Das Parchimer Rathaus ist nach seinem Umbau vor fast 200 Jahren wohl als das älteste neugotische Bauwerk im Lande anzusehen.
Barca       Fotografen        Mittelalterliche Mauerverbände 
  Rathausuhr: Die Uhr am Rathausgiebel auf der Seite zum Alten Markt wird 1869 als Normaluhr für die Stadt angebracht. Sie wird dann 1930 vom Mittelfenster auf die rechte Seite verlegt.
  Ratsapotheke: Die Ratsapotheke untersteht früher der Gerichtsbarkeit des Rates der Stadt. Der Ratsapotheker wird, wie zum Beispiel der Stadt-Physikus, Stadt-Chirurgus, Schreib- und Rechen-meister an der Stadtschule, vom Rat bestellt. Der Chronist F. J. Chr. Cleemann veröffentlicht die Namen der Ratsapotheker des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Apotheke ist zu dieser Zeit in einem Anbau der Ratsbude untergebracht. Anfang des vorigen Jahrhunderts erteilt der Rat die Genehmi-gung, die Apotheke zu verlegen. Seit dieser Zeit befindet sie sich in dem Haus Ziegenmarkt-Ecke-Apothekenstraße. Im Februar 1922 erhält Parchim die Genehmigung für eine zweite Apotheke; sie wird in dem Haus Mühlenstraße Nr. 36 eingerichtet. Heute gibt es mehrere Apotheken in der Stadt.
 



Die Ratsbude, die von 1669 bis 1893
gegenüber dem Rathaus steht

Ratsbude: Ein Gebäude, in dem die Ratsmänner zusammenkommen, wird schon in der Urkunde von 1282 über die Vereinigung von Alt- und Neustadt Parchim erwähnt. Dieses wird die Bude gewesen sein, die durch den großen Stadtbrand von 1612 vernichtet wird. (Die Bezeichnung Bude hat früher keineswegs den abwertenden Inhalt wie heute.) Erst nach etwa sechs Jahrzehnten wird eine neue Ratsbude errichtet. Durch eine fotografische Aufnahme wird das äußere Aussehen dieses stattlichen Bauwerkes, wie es sich nach dem Umbau von 1848 zeigt, überliefert. Es hat

  zum Schuhmarkt hin einen geschweiften Renaissancegiebel, der mehrfach untergliedert ist; auf der leicht gewölbten Straßenfront verlaufen in der Höhe des Obergeschosses mehrere hervortretende Friesbänder. In der Ratsbude sind seinerzeit die eigentlichen Verwaltungsräume der Stadt untergebracht. Im gegenüberliegenden Rathaus befinden sich damals im wesentlichen nur die Reprä-sentationsräume. Das Rathaus steht der Stadt über lange Zeiten auch nur bedingt zur Verfügung, denn zweimal tagte in diesem Gebäude jahrzehntelang das oberste mecklenburgische Gericht, und während der preußischen und französischen Besatzungszeit im 18. und 19. Jahrhundert dient es als Pferdestall und Magazin. In einem Anbau der Ratsbude befindet sich bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts die Ratsapotheke. Vermutlich wird hier auch der städtische Salzvorrat eingelagert, denn dieses Gebäude hat teilweise früher auch die Bezeichnung Salzbude . Die Ratsbude wird 1848 als Schule, offizielle Bezeichnung Ganztagsschule, eingerichtet. Sie wird dann 1893, nach der Fertigstellung des Gebäudes für die Elementarschule auf dem Mönchhof, abgebrochen. 
  Ratsdiener: Die Ratsdiener werden früher, wie die Scharfrichter und Bader, von den Parchimern als nicht "ehrlich" angesehen. Ihre amtliche Bezeichnung ist früher teilweise auch Bierträger; sie tragen damals eine rote Dienstbekleidung. Die Ausdrücke Bierträger und Rotröcke werden in der Stadt vielfach auch als Schimpfwörter verwendet. Deshalb wird 1800 die offizielle Bezeichnung Stadtdiener und eine hellblaue Bekleidung eingeführt. Zur Ratsdienerschaft gehören Anfang des 17. Jahrhunderts u.a. ein Haus- oder Budenknecht, zwei Diener, ein Kutscher, ein Schütze, ein Holzvogt und zwei reitende Diener, diese besonders auch für die Feldaufsicht. Die Diener tragen einen Degen; dieses wird in den überarbeiteten Stadt-Statuten von 1622 ausdrücklich bestätigt.
 

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