Oberappellationsgericht: Nach einigem Hin und Her wird 1818 das oberste Gericht für Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz in Parchim eingerichtet. Dieses Oberappella-tionsgericht ist erforderlich geworden, da nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 auch das oberste Gericht des Reiches, das Reichskammergericht in Wetzlar, aufgehört hat, weiter zu bestehen. Für das Gericht wird das verfallene Parchimer Rathaus umgebaut und instand gesetzt. Als Wohnhaus für den Gerichtspräsidenten wird das stattliche Haus Blutstraße Nr. 5/6 errichtet. Von dem Oberappellationsgericht werden einige Prozesse entschieden, die teilweise in ganz Deutschland Beachtung finden. Da ist zum Beispiel die Aufhebung eines auf Indizien beruhenden Urteils "zur Todestrafe des Rades" gegen einen Tischlermeister aus Rostock, der seine Ehefrau vergiftet haben soll. Das Parchimer Gericht erkennt aber nach sorgfältiger Prüfung aller Umstände, daß der Verurteilte unschuldig ist, der nun nach siebenjähriger Untersuchungshaft freikommt. Die Anwesenheit des Gerichtes wirkt sich günstig für die Entwicklung der Stadt aus. Es wird allgemein bedauert, daß es 1840 nach Rostock verlegt wird. Dieses erfolgt auch auf Betreiben der Gerichtsangehörigen, die an einen größeren Ort wollen, wo sie mehr "Zerstreuung und Annehmlichkeiten" vorfinden.
  Ökelname: Bedeutet soviel wie Zu-, Schimpf-, oder Spitzname. Bei der Erwähnung Parchims wird früher - von ortsfremden Mecklenburgern - vielfach gleich die Verbindung "Pütt bi Parchen" ge-äußert. Dabei ist mit Pütt wohl der Wockersee gemeint, der nur so groß wie eine Pfütze sei. Heute wird allgemein nur noch von Pütt gesprochen, und damit ist die Stadt gemeint. In der Literatur wird Pütt als volkstümliche Bezeichnung für Parchim erst in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts er-wähnt. In dem 1854 von H.F.W. Raabe, einem gebürtigen Parchimer, herausgegebenen Allge-meinen plattdeutschen Volksbuch werden als Ökelname "de Parchenschen Bessenbinners"
(die Parchimer Besenbinder) erwähnt. Diese Benennung kommt aber heute wohl nicht mehr vor.
  Ostring: Etwa seit 1970 die Benennung der Umgehungsstraße von der Kreuzung Wallallee-Friedhofsweg bis zur Lübzer Chaussee (B191). Für diese Straße erscheint im Adreßbuch von 1921 die Bezeichnung Siggelkower Weg; es ist aber noch im wesentlichen eine Scheunengegend und es stehen hier damals nur wenige Wohnhäuser.
 

Otto-Grotewohl-Straße: Benennung einer Straße in dem seit 1967 entstandenen Neubaugebiet Weststadt. O. Grotewohl ( 1894-1964) war von 1949 an Vorsitzender der Ministerrates der DDR.

  Otto-Nuschke-Straße: Benennung einer Straße in dem seit 1967 entstandenen Neubaugebiet Weststadt. O. Nuschke (1883-1957) war von 1949 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR.
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