gehe zur Seite  1 2 3  / oder am Seitenende mit vorwärts und zurück blättern

 

Eine mächtige Eiche in den Wallanlagen
Mächtige Bäume in den Wallanlagen: Nach dem Dreißigjährigem Kriege, als die Wall-Graben-Anlage kaum noch einen Verteitigungswert besitzt, werden die Wälle allmählich mit Bäumen bepflanzt, die heute teilweise einen Stammumfang von über drei bis vier Metern haben. Einer der mächtigsten dieser Bäume ist wohl eine Eiche, die gegenüber dem Eingang zum Krankenhaus steht. Ihr Stamm besitzt einen Umfang von fast fünf Metern. 

Magistrat:
Die Benennung Magistrat für die bisherige Bezeichnung "E.E. Bürgermeister und Rat", kommt allgemein Anfang des vorigen Jahrhunderts auf.
  Magistrat bedeutet in diesem Zusammenhang soviel wie Obrigkeit. (Dieses ist vermutlich mit der Einführung der Preußischen Städteordnung von 1808 zu sehen, die für das gewählte Ausführungs-organ der Städte diese Bezeichnung festlegt. Von Mecklenburg wird damals nur das Wort nicht aber Inhalt dieser Ordnung übernommen.) Eine landesherrliche "Ordnung der Bürger-Repräsen-tanten und der Magistratswahlen für die Stadt Parchim" wird 1832 erlassen. Hier ist u.a. festgelegt, daß die beiden Bürgermeister und zwei Ratsherren "rechtsgelehrte, volljährige, geschäftserfahrene, ansässige und unbescholtene Männer" sein müssen. Die beiden anderen Ratsherren müssen über dieselben Eigenschaften verfügen, nur werden statt der Rechtsgelehrtheit "ökonomische Kenntnisse" verlangt. Und dann lautet es in der Ordnung "Der Eintritt in den Magistrat wird durch Verwand-tschaft oder Schwägerschaft der drei ersten Grade mit den schon vorhandenen Magistratsmit-gliedern verhindert." Die Magistratsmitglieder werden auf Lebenszeit gewählt. Der Magistrat hat seinerzeit auf Grund der ständischen Stadtordnung weitgehende Rechte und Vollmachten. Mit der Einführung der Städteordnung von Mecklenburg-Schwerin im Jahre 1919 wird der Magistrat aufgelöst. Und nun bestimmen die von allen Parchimern, Männern und Frauen, gewählten Stadtver-ordneten die Mitglieder des neu zu bildenden Rates der Stadt.
E. E. Bürgermeister und Rat         Parchimer Ratsmänner und Bürgermeister
  Mahnmal an des Todesmarsch der KZ-Häftlinge: In der kleinen Parkanlage vor dem Eingang zum Krankenhaus erinnert ein Mahnmal an den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Sachsenhausen im April 1945. 

Manufaktur- und Materialwaren: In den Parchimer Adreß-büchern werden in dem Abschnitt "Übersicht der Geschäfts- und Gewerbetreibenden" u.a. auch die beiden Gruppen Manufaktur-warenhandlungen und Materialwarenhandlungen aufgeführt. Bei den Manufakturwaren, die 1901 hier 14 Geschäfte und 1937 dann 21 verkaufen wollen, handelt es sich um Textilien, besonders auch um Stoffe für Frauen. In den 20er Jahren gibt es hierfür noch eine Untergliederung in Mode-, Ausstattungs- und Konfektions-geschäfte. Zum Angebot der Materialwarenhandlungen, in den 20er Jahren werden sie Material- und Kolonialwarenhandlungen genannt, gehören Lebensmittel wie Heringe, Butter, Käse, Brannt-wein, Salz, Zucker, Gewürze, Kaffee, Tee, Süßigkeiten, Tabak und Zigarren. In den Adreßbüchern von 1901 und 1937 werden jeweils 40 und 31 dieser Handlungen aufgeführt.



Das Mahnmal an den Todesmarsch
 der KZ-Häftlinge                                 
 

 



Die Markower Mühle - Ansichtskarte um 1900

 

Markower Mühle: Diese Mühle am Nordende des Wockersees, deren Mahlsteine seinerzeit durch das aufgestaute Wasser der Wocker angetrieben werden, kommt schon 1342 in schriftlichen Aufzeichnugen vor. In ihrer Nähe liegen damals viele Hopfenhöfe. Die Mühle kommt 1875 vom Amt Crivitz unter die Ver-waltung der Stadt Parchim. Das Mühlengebäude brennt 1928 ab. Der Schriftsteller Friedrich Griese errichtet dann auf diesem Gelände 1935 sein Reth-Hus, in dem er zehn Jahre lebt. Jetzt befindet sich hier ein Kinderkurheim.

  Marstall: Benennung der breiten Straße, die von der Linden- bis zur Heidestraße verläuft. Der Marstall, der Pferdestall des Landesfürsten, kommt schon 1332 schriftlich vor. Etwa zwei Jahr-zehnte später wird dann ein Haus erwähnt, das dort liegt,"dat de Marstall het" (das der Marstall heißt). Diese Bezeichnung ist nun wohl schon als Straßenname anzusehen.
  Martinimarkt: Der Martinimarkt, oder Jahrmarkt, findet früher in der Regel an einem Soontag, Montag und Dienstag in der Nähe des 11. Novembers, des Martinstages, statt. An dem Leben und Treiben in der Stadt sind außer den Marktbesuchern und den eigentlichen Markthändlern und -austellern an diesen Tagen fast alle Geschäfte, Gaststätten und Kinos mit Sonderverkäufen und Sonderveranstaltungen beteiligt. Eine hiesige Zeitung berichtet 1929 von zwei Liliput-Kinder-Karussells, einem Berg-und-Tal-Autokarussell, einem Riesensportrad, einer elektrischen Avusbahn, von Unternehmern mit Tierabnormitäten, zwei Schießbuden, die auf dem Neuen Markt stehen,. auf dem Mönchhof hat ein Hippodrom sein Zelt aufgeschlagen und ein Mädchen mit zwei Köpfen ist hier auch zu sehen; soweit die Zeitung. So richtig los geht der Markttrubel aber immer schon in der Langen Straße, dort wo die Bleicherstraße einmündet. Leierkastenmusik begrüßt hier den Besucher, und dann folgt das Geschrei der "Hamburger Jakobs" mit den Zylindern auf dem Kopf, die ihre Waren anbieten. Das sind zum Beispiel gewirkte Spitzenbänder. Anpreisend hört man wohl "... noch einen Meter und noch einen Meter und das Ganze nur eine Mark... wer greift zu... und weil Sie es sind, noch einen Meter dazu." Ein paar Schritte weiter hat neben einem Verkäufer von Leckereien, wie gebrannten Mandeln, Zuckerstangen, Johannisbrot oder Schokoladenbruch, ein Händler seinen Stand, der ein universelles Taschenmesser, das außer mehreren Messerklingen, eine Säge, einen Bohrer und einen Glasschneider vereinigt, "billigst" anbietet. Etwas weiter die Straße entlang wird die Wirkung eines Wunderfleckwassers vorgeführt, das "spottbillig" erworben werden kann. Die Kinos zeigen von morgens bis abends fortlaufend Filme, und alle Gaststätten sind überfüllt, in denen bis zum frühen Morgen getanzt und gefeiert wird.
  zurückzum Seitenanfangvorwärts