gehe zur Seite 1 2 3 4  / oder am Seitenende mit vorwärts und zurück blättern

  Kaak: Auf dem Alten Markt, vor dem Rathaus, steht früher der Kaak (Schandpfahl, Pranger); er ist ein Ausdruck der städtischen Gerichtsbarkeit. Der Kaak muß 1728 erneuert werden. Dieses ist damals mit allerhand Vorkehrungen verbunden, denn diese Arbeiten machen die Handwerker sonst "unehrlich". Das Tischleramt legt einen Entwurf für den Kaak vor, der dann auch ausgeführt wird. Der"Kerl darauf", der zum Markt hin blickt, hat in der rechten Hand eine Rute aus Messingdraht, in der linken Hand ein versilbertes Schwert und auf dem Kopf einen blechernen Hut, um die Figur länger zu "conservieren". Der Kaak wird vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts entfernt.

Kaiser Friedrich I., Barbarossa: Der Kaiser läßt 1170 in Frankfurt eine Urkunde ausfertigen, in der die Grenzen des Sprengels des Bischofs von Mecklenburg, das ist seinerzeit Berno, festgelegt werden. Berno ist der erste Bischof, der hier im Lande auch wirksam wird; seine rücksichtslose missionarische Tätigkeit unter den in diesem Gebiet lebenden Slawen wird in der Urkunde umfassend gepriesen. Die Übersetzung des in Latein abgefaßten Schriftstückes lautet bei der Bestimmung der südlichen Grenze des Sprengels u.a.:"...Parchim und Quetzin und Malchow mit allen Dörfern auf beiden Seiten des Flusses Elde, die zu jenen Burgen gehören..." Hier erscheint die Burg Parchim zum ersten Mal in der schriftlich überlieferten Geschichte. Es kann mit Sicherheit angenommen - wenn auch nicht bewiesen - werden, daß sich bei der Burg damals auch eine Siedlung befindet. Das "offizielle" Alter eines Ortes zählt immer seit dem Datum seiner ersten schriftlichen Erwähnung, und das ist bei Parchim das Jahr 1170.        Burg Parchim



Modell vom Kaak, der 1728 auf    
dem Alten Markt aufgestellt wird 
  -im Museum der Stadt Parchim      

  Kaiserliche Exekutionstruppen in Mecklenburg: In Mecklenburg werden die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts von den Ereignissen geprägt, die mit den gescheiterten Bestrebungen des machtgierigen und skrupellosen Herzogs Karl Leopold zusammenhängen, seine absolute Herrschaft durchzusetzen. Es kommt dabei zu einem tief greifenden Zerwürfnis zwischen den Landständen, besonders der Ritterschaft, und dem Herzog, der deswegen auch russische Truppen in das Land holt. Um wieder geordnete Verhältnisse herzustellen, entsendet der Kaiser 1719 hannoveranische und braunschweigische Soldaten als Exekutionstruppen nach Mecklenburg. Der Herzog erläßt 1733 ein allgemeines Landesaufgebot, das alle Männer zu den Waffen ruft. Dem Aufgebot folgen besonders auch viele Bauern, die teilweise nur mit einer Mistgabel bewaffnet erscheinen. Denn den Bauern hat der Herzog bessere Lebensbedingungen in Aussicht gestellt. Es kommt nun zu kriegerischen Ereignissen, bei denen das schlecht bewaffnete Landesaufgebot gegen die Exekutionstruppen nicht bestehen kann. Diese Truppen drangsalieren dabei besonders die Bauern in den Dörfern. Truppen beider Seiten halten sich bei dem hin und her wogen der kriegerischen Maßnahmen zeitweise in Parchim auf. Dabei erpreßt der Oberbefehlshaber des Herzogs von der Stadt 2000 Reichstaler, weil die Parchimer nicht zum Landesaufgebot gekommen sind.
Preußische Pfandadministration
 

Kamerun: Bezeichnung für ein Gehöft auf der Stadtfeldmark vor der Kreuztorvorstadt in der Nähe des Kasernengeländes zwischen der Brunnenchaussee und der Elde. Es erscheint in den Adreß-büchern von 1906 - 1933. In Mecklenburg werden früher nicht selten abgelegene Gehöfte, Wege und Feldstücke so benannt. Diese Benennung kommt von der ehemaligen Kolonie Kamerun des kaiserlichen Deutschlands.

  Kämmereidörfer: Die Parchimer vergrößern das städtische Gebiet, indem sie nahe liegende Dörfer aufkaufen und die Äcker und Wiesen zur Feldmark der Stadt legen. So bestätigt schon 1240 in einer überlieferten Urkunde der Landesfürst den Kauf des Dorfes Picher. Mit den Flur-namen Picher Berg und Picher See (auch Löddig See) ist die Erinnerung an dieses Dorf bis in die Gegenwart gekommen. Im Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts werden annähernd 12 Dörfer gelegt oder wüst gemacht. Eine Anzahl von Dörfern, die ebenfalls in städtischen Besitz gelangen, deren Feldmark aber auf Grund der großen Entfernungen oder wegen des Verlaufs der Elde nur mit Schwierigkeiten von der Stadt aus zu bearbeiten ist, bleiben als Parchimer Kämmereidörfer be-stehen. Der Staatskalender von 1871 zählt folgende Parchimer Kämmereidörfer auf: Damm, Gischow, Kiekindemark, Malchow, Matzlow, Neuburg, Paarsch, Rom, Schalentiner Mühle, Stralendorf, Slate und Bergrade Hof und Dorf, das aber eigentlich ein Ökonomiedorf der St.-Georgenkirche ist. Später kommen noch die Markower Mühle und die Neugründung Neu-klockow hinzu. Diese Dörfer und Gehöfte stehen bis zur Einführung der Landgemeindeordnung von 1920 unter städtischer Verwaltung.      Parchimer Feldmark  
Stellung Parchims unter den mecklenburgischen Städten
       Wüstungsring um Parchim
  Kamp: Die Bezeichnung Kamp gibt es auf der Parchimer Feldmark mindestens 26mal. Es kommt immer in Verbindung mit einem anderen Wort, oft einer Berufsbezeichnung, vor. So entstehen Flurnamen wie Fischerkamp, Bäckerkamp, Lohnherrenkamp aber auch Brummelbeerenkamp und Burgkamp. Vom Superintendentenkamp ist in neuerer Zeit nur die Benennung Kamp übrig geblieben. Mit Kamp bezeichnet man sowohl ein abgegrenztes oder umfriedetes Stück Land als auch ein (zum Beispiel unter den Angehörigen eines Berufes) aufgeteiltes Feld.
  Kanone: Auf den Rasenflächen beiderseits des Weges zum Hauptportal der Dragonerkaserne sind seit 1884 - vermutlich bis in die Jahre des Zweiten Weltkrieges - Teile einer französischen Kanone aufgestellt. Sie soll während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 erbeutet worden sein. Auf der einen Grünfläche steht seinerzeit die Lafette mit dem Rohr und auf der anderen Seite der Vorderwagen des Geschützes, die Protze. Alle Holzteile der Kanone sind hellblau gestrichen.
  Kapelle zum Heiligen Blut: Die Kapelle zum Heiligen Blut wird 1397 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Namensgebung kommt wohl von der angeblichen Überführung eines in Jaspisstein eingeschlossenen Blutstropfen Christi durch den Grafen von Schwerin im Jahre 1222; und Teile dieser Reliquie sollen dann auch nach Parchim gelangt sein. Die 12eckige Kapelle mit dem hohen Zeltdach und den starken Strebepfeilern steht seinerzeit auf der höchsten Stelle innerhalb der Stadtmauer. Dieses ehrwürdige Bauwerk ist wohl anfangs eine Wallfahrtskapelle, dann ein Armenhaus und etwa seit 1600 Unterkunft der Großen Stadt-schule; 1798 wird der mittelalterliche Bau abgebrochen. Die großen behauenen Feldsteine im Fundament des Hauses Blut-straße Nr. 3/4 stammen offensichtlich von der Kapelle, die auf diesem Platz stand. 

Karl-Liebknecht-Straße: Eine Straße in dem seit 1967 errichteten Neubaugebiet Weststadt Parchim ist nach dem 1919 ermordeten Rechtsanwalt und Führer der deutschen Linken Karl Liebknecht (geb. 1871) benannt..

Kartoffelanbau: Die Kartoffel - in unserer Gegend auf  Platt-deutsch als Tüffel bezeichnet - wird in Mecklenburg etwa seit



Die Kapelle zum Heiligen Blut vor 
 1755 - Rekonstruktionszeichnung  
 von E.Hille                                           

  1800 im großen Umfang feldmäßig angebaut. Sie bringt auch auf leichten Böden gute Erträge. Ein Feld, das mit Kartoffeln bestellt wird, kann mehr Personen ernähren, als wenn hier Getreide an-gebaut wird. Die Kartoffel ist ein wertvolles Nahrungsmittel, das in den meisten Jahren in großen Mengen billig zu Verfügung steht. Sie bringt seinerzeit bei uns eine tief greifende Umstellung der Ernährungsweise, denn die Kartoffel wird schnell das Hauptnahrungsmittel von breiten Schichten der Bevölkerung. Insbesondere in ärmeren Familien kommt sie morgens, mittags und abends auf den Tisch. Die Kartoffel ist auch ein wichtiges Futtermittel und ein billiger Rohstoff für Branntwein-herstellung. Wegen der bedeutenden Rolle, die die Kartoffel im Leben der Bevölkerung ausmacht, bringen schlechte Ernten dieser Feldfrucht Not und Elend mit sich. Dieses ist zum Beispiel 1847 der Fall, als die Preise für die Kartoffeln und des Korns steigen, und der Magistrat für Bedürftige einen "wohlfeilen Verkauf von Lebensmitteln in der Ratsbude anordnet." Felddiebstahl wird streng bestraft. Die Parchimer Zeitung berichtet 1854, daß ein Arbeitsmann wegen "Diebstahls an Kartoffeln urtheilsmäßig eine 4 monatliche Zuchthausstrafe zu Dreibergen" erhält. Und die Zeitung berichtet dann am 11. August desselben Jahres:"... erquickt sich schon lang manche bis dahin darbende Familie an den vielen großen Knollen, welche die Kartoffeln ...liefern.
Dreifelderwirtschaft        Branntweinbrennerei
  zurückzum Seitenanfangvorwärts