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Der alte Hafen bei der Langen Brücke
- Ansichtskarte um 1905
Hafen: Der erste Hafenplatz wird 1843 am Unterlauf der Elde bei der Langen Brücke geschaffen. Diese Anlage ist noch erhalten; sie kann aber wegen des niedrigen Wasserstandes nicht mehr benutzt werden. Die Aufsicht über den Hafen wird seinerzeit jährlich verpachtet, und der Pächter darf für jeden Kahn, der hier be- oder entladen wird, eine bestimmte Gebühr erheben. Hier steht damals auch ein Zollschuppen, in dem für eingeführte Waren die Akzise entrichtet werden muß. Beladen werden die Kähne hier zum Beispiel mit Korn, Kartoffeln, Mehl, Zichorien und
  Branntwein. Nach einer Elderegulierung wird die Anlegestelle für die Frachtkähne in der Nähe der Schleuse verlegt, denn hier ist mehr Platz und die Güter können besser an- und abgefahren werden. In den 30er Jahren wird ein neuer Hafen oberhalb der Schleuse bei der Ziegendorfer Chaussee geschaffen. Diese Anlage ist bis in die 50er Jahre in Betrieb. Auf diesem Platz werden damals die auf dem Wasserweg hierher beförderten Ziegel für den Neubau der Berufsschule entladen.
  Hafenstraße: Benennung der Straße, die beim Neuen Markt von der Langen Straße nordwärts abzweigt und zur Elde beim früheren Hafen führt. Die Hafenstraße erscheint 1886 im Adreßbuch; vorher haben die hier stehenden Häuser die Anschrift "Am Hafen".
  Hakenstraße: Die Häker- oder Hökerstraße ist schon 1392 schriftlich belegt. In dieser Straße zwischen der Mittel- und Rosenstraße wohnen damals die Haken, das sind Kleinhändler, welche Eßwaren wie Hering, Speck, Honig und Salz "feil halten". Nach ihnen wird die Straße benannt.
 

Handwerker und Ackerbürger: Die Handwerker haben am Entstehen und Werden Parchims einen großen Anteil. Ihre berufsständische Vereinigungen sind die Handwerksämter, die jeweils von mehreren Älterleuten geleitet werden. Schon zwischen 1230 und 1240 erhält das Fischeramt eine von den Parchimer Ratsherren bestätigte Amtsordnung. Man kann aber wohl davon ausgehen, daß die in dieser Amtsordnung geforderten Umgangsformen, festgelegten Pflichten und Strafen in ähnlicher Weise auch für die anderen Handwerksämter von den Ratsmännern vorgeschrieben werden. In späterer Zeit enthalten die Amtsordnungen - wie in dem herzoglichen Privilegium für die Parchimer Tischler von 1613 - noch weitere Bestimmungen Dieses gilt zum Beipiel für die Aufnahme in das Tischleramt (keiner darf aufgenommen werden, der nicht im rechten Ehebett gezeuget), nach der Lehrzeit muß wenigsten fünf Jahre gewandert werden, wer eine Meisters Tochter oder Witwe freiet, wird leicher aufgenommen, es ist ein Meisterstück anzufertigen (bei dessen Besichtigung darf keine Kost und Speise, sondern nur Bier gegeben werden), es sollen keine Störer oder Winkeltischler in der Stadt gelitten werden. Der Chronist M. Cordesius berichtet 1670 :"...Die Fischer unter den Handwerkern sind die Eltesten... der Schuster und Schneider sind

  mehr/ der Wollen-Weber oder Tuchmacher am meisten..." Um 1800 gibt es in Parchim 27 "Landesherrlich-privilegierte Handwerksämter", und es sind insgesamt etwa 422 Handwerker in den einzelnen Berufen vorhanden. Außerdem gibt es zu dieser Zeit hier 32 Ackerbürger oder Ackersmänner. Im Adreßbuch von 1873 sind dann 546 Handwerker verzeichnet, die in etwa 60 verschiedenen Berufen tätig sind. Die einzelnen Berufsgruppen sind aber sehr unterschiedlich groß, es gibt zum Beispiel 116 Schuhmacher und nur 1 Optiker. Als Fuhrleute und Ackerbürger werden in diesem Jahr 67 Personen ausgewiesen. Der Verfasser einer Broschüre über Parchim schreibt 1859, daß nach der allgemeinen Vorstellung der Handwerker "stehen diese Leute (d.h. die Fuhrleute und Ackerbürger), weil sie kein zunftmäßiges oder einem solchen verwandtes Geschäft erlernt haben, unter den Handwerkern; ein rechtlicher Unterschied existiert nicht." Um die Wende zu unserem Jahrhundert gibt es in der Stadt 614 Handwerker und 60 Fuhrleute und Ackerbürger.



Das Handwerkszeichen eines          
Schlossermeisters, das sich bis in   
die 80er Jahre an einem Haus in    
der Baadestraße befand                    

  Fischeramt     Fuhrleute und Ackerbürger     Stadtsprecher     Tuchfabrik und Tuchmacher
  Handwerkszeichen: Die Handwerker zeigen früher, häufiger als heute, ihre Tätigkeit durch ein entsprechendes Symbol an. Dabei handelt es sich teilweise um kunstvoll hergestellt Ausleger an den Häusern.
  Hans-Beimler-Straße: Benennung einer Straße in dem seit 1967 errichteten Neubaugebiet Weststadt. H. Beimler ist als militärischer Führer im Spanischen Bürgerkrieg gefallen.
  Hauptquartier der preußischen Truppen: Von 1733 bis 1787 halten sich preußische Truppen im Süden Mecklenburgs auf. Sie sollen die Tätigkeit der Administration für die an Preußen verpfändeten Ämter Marnitz, Plau, Eldena und Wredenhagen, deren Einkünfte zu dieser Zeit nach Berlin abgeführt werden, sichern und unterstützen. Parchim ist das Hauptquartier dieser Truppen, die in der Stadt Naturalquartier beziehen. Die Belastung ist für die Bewohner der Stadt besonders groß, als 1742 mehrere Eskadrons Zietenhusaren hier einrücken. Die Husaren kommen teilweise mit ihren Familien, die auch untergebracht werden müssen.     Preußische Pfandadministration
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