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  Fabrikstraße: Bis etwa 1890 heißt der nördliche Abschnitt der Marienstraße, der von der Langen Straße bis Auf dem Brook verläuft, Fabrikstraße. Diese Benennung weist auf die frühere Zichorienfabrik hin, die seinerzeit der bedeutendste Betrieb in der Stadt ist.
  Fachwerkhäuser: In Parchim gibt es noch eine Anzahl von Fachwerkhäusern. Es sind teilweise stattliche Giebelhäuser, wie in der Langen= und Lindenstraße, aber teilweise auch mehrgeschossige Traufenhäuser, wie auf dem Schuh- und Alten Markt. Diese Häuser entstehen alle nach den großen Stadtbränden von 1586 und 1612. Es werden bei den Bränden aber wohl nicht alle Gebäude einen Totalschaden erlitten haben; das gilt vermutlich für die Häuser Lindenstraße Nr.3 und Mittelstraße Nr.12. Die Fachwerkhäuser haben oft eine Balkeninschrift. Im vorigen Jahrhundert werden die Straßenseiten vieler der Fachwerkhäuser verputzt. Unter dem Putz hat das Balkenwerk dann zum Teil sehr gelitten. In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten wird bei einigen dieser Häuser der Putz wieder entfernt und das Fachwerk dann sorgfältig gepflegt. Einige der repräsentativen Fachwerkhäuser mußten aber auch abgerissen werden.

 



Früheres Fachwerkhaus             
in der Lindenstraße                     

  Fähre über die Elde: Die Fähre über die Elde zum früheren Parchimer Kämmereidorf Slate besteht schon über 600 Jahre. Für Fußgänger ist sie früher wichtig auf dem Reiseweg von Parchim in die südliche Richtung. Deswegen ist der Fährhof auch seinerzeit ein Lehen des Landesfürsten, für das der Erste Bürgermeister der Stadt den Lehenseid ablegen muß. Ostern 1827 ereignet sich hier ein entsetzliches Unglück.. Es sind 25 junge Leute nach Slate gewandert, um dort zu tanzen. Übermütig springen sie alle gleichzeitig in den Fährkahn, der dadurch überladen wird. Während der Überfahrt neigt sich der Kahn zur Seite, und alle Insassen fallen in das Wasser. Nur 7 Personen erreichen das Ufer. Ein Zeitgenosse berichtet:" Es sind mithin auf dieser unglücklichen Fahrt 18 Menschen jämmerlich umgekommen."
 

Fangelturm: Von der Landstraße, die von Parchim nach Sternberg führt, kann man gleich hinter dem Baustoffwerk in der östlichen Richtung den Fangelturm sehen. Dieser mittelalterliche Wartturm sichert seinerzeit den nördlichen Durchgang durch die Landwehr, des äußeren Ringes der damaligen Stadtbefestigung. Die Bezeichnung Fangelturm (Gefangenenturm) kommt erst Anfang des vorigen Jahrhunderts auf, vorher wird der Turm als Steinburg bezeichnet. Dieses Bauwerk wird um 1360 errichtet. Es hat eine Höhe von 10 Metern -100 Steinschichten - und eine Wandstärke von 1 Meter. Der Einstieg zum Turm befindet sich in einer Höhe von 2,5 Metern und kann ursprünglich nur über eine einziehbare Leiter erreicht werden. Durch schmale Schießscharten kann die Turmbesatzung Eindringlinge - zum Beispiel Raubritter, die die städtischen Viehherden forttreiben wollen - beobachten, bekämpfen und notfalls durch Schall- oder Lichtsignale die Wache beim Wockertor alarmieren. Der Sage nach soll eine Hexe, die in Parchim eingefangen und beim Fangelturm ausgesetzt wurde in dieser Gegend ihr Unwesen treiben. Sie soll dabei auf  vorüber-



Der Fangelturm bei der früheren      Landwehr - Aufnahme um 1910        

  fahrende Fuhrwerke "aufhocken", und die Pferde müssen dann so schwer ziehen, daß sie nicht mehr weiter kommen. Dieser Wartturm ist heute der einzige seiner Art in Mecklenburg; er gehört zu den ältesten weltlichen Bauwerken im Lande. Eine Zeichnung von Parchim, die vor 1690 angefertigt wird, zeigt auf dem kleinen Werder (Flußinsel) beim Einfluß des westlichen Eldearmes in das Stadtgebiet einen Turm. Der erklärende Text der Zeichnung bezeichnet diesen Turm als Fangelturm. Hier werden wohl früher Gefangene aufbewahrt.       Landwehr      Parchimer Stadtansichten 
  Feldkarten aus den Jahren 1723 - 25: Im Archiv und im Museum Parchims werden farbige Landkarten aufbewahrt, die Teile der Parchimer Feldmark darstellen. Hier sind viele Einzelheiten im Gelände zu sehen Diese Karten werden seinerzeit von Johann Hinrich Wippert, "Ingenier, Lieuten: et Geomatra" angefertigt; dabei hat teilweise ein "Mahler" Helmers mitgewirkt. Der besondere Wert der Karten besteht auch darin, daß mit annähernd 40 Epigrammen, die durch Zeichnungen erläutert werden, Situationen und Sachverhalte aus dem Leben der damaligen Zeit teilweise recht drastisch geschildert werden. ( Dabei werden die Bildvorlagen teilweise unbekümmert aus älteren Werken des Holländers J.Cats entnommen.)
  Fernsicht nach Schwerin: Von dem Platz, wo die Landstraße von Parchim nach Ziegendorf in das Waldgebiet des Sonnenberges eintritt, hat man eine gute Fernsicht. Hier befindet man sich in einer Höhe von etwa 100 Metern. In der westlichen Richtung sind bei klarer Sicht - besonders gut mit einem Feldstecher - die Masten des Schweriner Fernsehsenders und der Turm des Schweriner Doms zu erkennen.
 

Die Blutstraße mit dem Postgebäude
im Hintergrund- Ansichtskarte um 1920 
Fernsprechbetrieb: Im Sommer 1899 wird in Parchim der Fernsprechbetrieb aufgenommen. Schon zwei Jahre vorher hat die Oberpostdirektion Schwerin den hiesigen Magistrat aufgefordert, in Parchim bei Behörden und Gewerbetreibenden für die Anlage eines Fernsprechanschlusses zu werben. Der Magistrat selbst wünscht auch einen Anschluß, aber dieses wird vom Bürgerausschuß zunächst abgelehnt. (Im Jahr darauf wird dann ein Anschluß genehmigt.) Die Fernsprechanlage ist vorerst für 100 Anschlüsse ausgelegt. Die Leitungsdrähte zur Zentrale werden
  anfangs über den Turm in das Postgebäude eingeführt; und später wird auf dem Dach ein mächtiges Eisengerüst für die Porzellanisolatoren angebracht, über die die Leitungen zur Zentrale geführt werden. Dieses auffällige Gerüst ist bis in die jüngste Vergangenheit fast ein Wahrzeichen im Mittelpunkt der Stadt. Eine Telegrafenverbindung mit Parchim bestand schon seit 1862. 
 

Die frühere Schießhalle auf dem Festplatz
im Buchholz
Festplatz im Buchholz: Schon seit Jahrhunderten ist die große Lichtung vorne im Buchholz ein Festplatz. Die freie Fläche wird von einer Reihe von Eichen fast eingerahmt, und an der östlichen Seite des Platze stehen noch mehrere Reihen von Eichen. Diese Bäume sind wohl etwa 200 Jahre alt. Früher werden sie Pfingsteichen genannt. Denn besonders zu Pfingsten wird hier seinerzeit das Vogelschießen, verbunden mit anderen ausgelassenen Vergnügungen, gefeiert. (Beim Vogelschießen wird auf einen hölzernen Vogel, der auf einer Stange angebracht ist, geschossen.) Im April
  1842 wird hier ein Turnplatz für die Schüler des Gymnasiums eingerichtet. Seit 1879 findet der jährliche Königschuß der Parchimer Schützengilden auf diesem Platz statt. Hierfür werden am Rande des Platzes die Schützenhalle, ein Restaurant, und eine Schießhalle errichtet. Seit den 30er Jahren wird auf der Südseite des Platzes auch an einer Freilichtbühne gebaut. Es kommt aber trotz vielfältiger Baumaßnahmen, die mit Unterbrechungen jahrzehntelang durchgeführt werden, nicht zu einer langfristigen Wirksamkeit dieser Einrichtung. Der Platz hat im Laufe der Zeit verschiedene Namen. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts wird er Brautkammer, darauf Turnplatz, später Schützenplatz, nach 1945 Platz des ersten Mai und dann Festplatz genannt.
Buchholz       Schützenhalle
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